Einblick in die Ausstellung „SCHWARZ|ROT|GOLD – Die deutschen Farben aus Jena“

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Einblick in die Ausstellung

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SCHWARZ|ROT|GOLD
Die deutschen Farben aus Jena


vom 3. Oktober 2010 bis 31. Dezember 2012
Stadtmuseum Jena


Mit dem Eröffnungsdatum der Sonderausstellung „SCHWARZ|ROT|GOLD – Die deutschen Farben aus Jena“ im Stadtmuseum Jena, jährte sich die „deutsche Einheit“ zum zwanzigsten Mal, die 1990 in Ost und West mit einem schwarz-rot-goldenen Fahnenmeer gefeiert wurde. Sportliche Großereignisse und internationale Wettbewerbe waren in den letzten Jahren zunehmend Anlass, mit der deutschen „Tricolore“ die Sympathie zur eigenen Nation zu bekunden.


Das Jubiläum und dieser neue Umgang mit der deutschen Flagge gaben den Anstoß, nach den Ursprüngen der „deutschen Farben“ und ihrer Geschichte zu fragen. Das Ergebnis war eine Sonderausstellung, die das Stadtmuseum in Kooperation mit einer Arbeitsgruppe des Historischen Instituts der FSU Jena konzipiert hat. Unter der Leitung von Hans-Werner Hahn und beratender Mitwirkung von Gerhard Müller haben die Studierenden Susan Burger, Jenny Dübner, Johannes Kühn, Susanne Sodan und Heiko Ziemer die verschiedenen Etappen nachgezeichnet, die „Schwarz-Rot-Gold“ auf dem Weg zum Nationalsymbol durchlief. Vor dem Hintergrund der Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts wurden auch die extremen Vereinnahmungen, denen der „Dreifarb“ während seines rund 200-jährigen Bestehen unterlag, die Kämpfe um seine staatspolitische Bedeutung, aber auch die besondere Rolle des Kulturraumes Weimar-Jena bei der Entstehung der deutschen Nationalfahne beleuchtet.

Ein keineswegs kontinuierlicher Weg führt vom erstmaligen Auftauchen von „Schwarz-Rot-Gold“ bis zu deren Festlegung als Nationalfarben der heutigen Bundesrepublik. Schon zwischen dem Emportragen der rot-schwarz-roten, mit Gold umstickten Fahne im Oktober 1817 auf die Wartburg und der erstmaligen Erwähnung des „Dreifarbs“ als „deutsche Farben“ vergingen einige Jahre.

In der bürgerlichen Revolution 1848/49 wurde „Schwarz- Rot-Gold“ zum Symbol des Strebens nach einem Nationalstaat. Als dieser unter preußischer Führung 1871 entstand, verschwanden die Freiheitsfarben – zumindest von der staatlichen Bühne. Das von Bismarck favorisierte Schwarz-Weiß-Rot wehte über dem Kaiserreich bis zu seinem Untergang 1918.
Die Weimarer Republik, die seit 1918 unter schwarz-rotgoldener Flagge firmierte, hatte Zeit ihres Bestehens schwer mit der schwarz-weiß-roten Gesinnungs-Last des untergegangenen Reiches zu kämpfen. Das durch Wahlen an die Macht gekommene Verbrecherregime des Nationalsozialismus beendete so abrupt wie brutal jede öffentliche Diskussion über die deutsche Fahne – und zugleich orientierten sich die Nationalsozialisten mit der Hakenkreuzfahne an „Schwarz-Weiß-Rot“. Nach der bedingungslosen Kapitulation des „Dritten Reiches“ 1945 und der Gründung von Bundesrepublik und DDR vier Jahre später wurde „Schwarz-Rot-Gold“ erneut zu den Nationalfarben beider deutscher Staaten, in der DDR jedoch bald durch Hammer und Zirkel im Ährenkranz ergänzt. Erst seit der politischen Einheit 1990 weht über ganz Deutschland wieder eine Fahne.

Die kuratorische Szenografie unterliegt Herbert Lachmayer, der bereits als Kurator der Ausstellung „Beschwörung nationaler Identität – Das Bernhardzimmer: Neugotik im Herzen des Klassizismus“ im Weimarer Stadtschloss weit über die Grenzen Thüringens hinaus für Furore sorgte. Als Kulturwissenschafter im Team von Herbert Lachmayer fungierte Christoph Schmälzle, der im vergangenen Jahr für die Ausstellung „Schillers Schädel – Physiognomie einer fixen Idee“ im Schillermuseum Weimar verantwortlich zeichnete.
Die Ausstellung wurde durch eine Vortragsreihe ergänzt, die verschiedene regionale Aspekte und ihre Bedeutung für die nationale Politik näher beleuchtete.

Weitere Informationen zur Ausstellung unter
www.museen-jena.de

Veranstalter und Kurator der Ausstellung
: JenaKultur, Städtische Museen Jena, Stadtmuseum

Leitung kuratorische Szenographie und Kulturvermittlung: Herbert Lachmayer (Kunstuniversität Linz)
Leitung wissenschaftliche Ausarbeitung: Hans-Werner Hahn (Friedrich-Schiller-Universität Jena)
Hermeneutic Wallpapers: Herbert Lachmayer, Margit Nobis, Kai Matthiesen
Mitarbeiter: Kay Auerswald, Susan Burger, Falk Burkhardt, Daniel Dobler, Jenny Dübner, Tom Fischer, Juliane Fuchs, Birgitt Hellmann, Conrad Hellmann, Torsten Jantz, Michael Kanz, Johannes Kühn, Christina Ludwig, Kai Matthiesen, Kathrin Meißner, Matias Mieth, Gerhard Müller, Margit Nobis, Silke Pfeifer, Pavel Popov, Klaus Ries, Johannes Romeyke, Christoph Schmälzle, Susanne Sodan, Teresa Thieme, Jan Wiltsch, Heiko Ziemer
Dank an/Förderer
Friedrich-Schiller-Universität, Klassik Stiftung Weimar, Vorwerk & Co. Teppichwerke, Interactive Media Services, jena Bild Produktion, Bauhaus-Universität Film-Institut

© Fotos: Maik Schuck, Daniel Dobler, Stadtmuseum Jena