Erstbesetzung "Così fan tutte" in der Rolle der Fiordiligi: Adriana Ferrarese del Bene (zweite von links), Zeichnung von Antonio Fedi. Adriana Ferrarese del Bene war die Geliebte Da Pontes

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Sänger- und Gesangsforschung

 


Gesangskünstler sind auch heute noch die Stars des Opernbetriebs. Sie übten in der Operngeschichte lange entscheidenden Einfluss auf den Schaffensprozess des Komponisten aus und ihre darstellerischen Fähigkeiten wirkten sich spätestens ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts auch auf die Arbeit der Librettisten aus. Eine möglichst genaue Kenntnis des künstlerischen Profils eines Francesco Benucci, für den W. A. Mozart die Partie des Figaro komponierte, kann deshalb z. B. Aufschluss darüber geben, warum er dies so  und nicht anders tat. Dazu gehört auch, dass untersucht wird, was die die aufführungspraktischen Standards waren, unter denen ein Benucci agierte, und welchen ästhetischen Anforderungen sein Gesang unterlag.

2009 wurden am DPRC Untersuchungen zur bis dahin unbekannten Uraufführungsbesetzung von W.A. Mozarts Opera buffa „La finta giardiniera“ durchgeführt, aufgrund derer das bisher unbekannte Ensemble ermittelt werden konnte.

Zu den derzeitigen Forschungsschwerpunkten des DPRC gehört ferner das italienische Sängerensemble in Wien zwischen 1763 und 1791.

Als Buchpublikation zur Sängerforschung wird 2011 der Band „Per ben vestir la virtuosa“- Die Oper des 18. und frühen 19. Jahrhunderts im Spannungsfeld zwischen Komponisten und Sängern, hrsg. von Daniel Brandenburg und Thomas Seedorf (Musikhochschule Karlsruhe) im Argus-Verlag Schliengen erscheinen. Der Band enthält Aufsätze einer Auswahl international reputierter Forscher zur Rolle des Sängers im kreativen Entstehungsprozess von Opernwerken. Im Kern geht es hier um die bisher in der musiktheaterwissenschaftlichen Forschung zwar vernachlässigten, aber doch grundsätzlichen Fragen, wie im 18. Jahrhundert das sängerische und darstellerische Können eines Gesangssolisten auf das künstlerische Handeln von Librettist und Komponist eingewirkt hat und ob der Solist in diesem Sinne selber als Teil des Kompositionsprozess zu begreifen ist.