Die bereitgestellten Tanz-Roben für das Kulturvermittlungsprogramm der Ausstellung "Wolfgang Amadè - ein ganz normales Wunderkind"

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Einblick in die Ausstellung, Architektur: donmartin supersets

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Einblick in das Musikstudio

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Wolfgang Amadé –

ein ganz normales Wunderkind

 

vom 4. April bis 19. November 2006
ZOOM Kindermuseum, Alter: von 6 bis 12 Jahren


Eine gemeinsame Ausstellung des ZOOM Kindermuseums und des Da Ponte Instituts

In Kooperation mit dem WIENER MOZARTJAHR 2006 


Die Mozart-Ausstellung, wie sie im ZOOM Kindermuseum realisiert wurde, beansprucht einen weitläufigen Bühnenraum mit Kulissen, Bühneneffekten, Kostümen und Requisiten. Die Kinder wurden eingeladen, sich durch dieses Ambiente durchzuspielen und dabei Mozart und die Zeit des Rokoko zu entdecken.

Im Mittelpunkt der Ausstellung stand Mozart als Kind und Wunderkind. Die jungen Besucherinnen und Besucher konnten mit dem Knaben Mozart aktiv in Beziehung treten, sich mit ihm identifizieren und vergleichen: „Wie war dieser Mozart eigentlich als Bub? Was hat er komponiert, als er so alt war wie ich? Wie oft hat er sich gewaschen und seine Zähne geputzt? Welche Spiele hat er gespielt und warum ist er so viel herumgereist? Warum ging er nicht zur Schule und konnte trotzdem mehrere Sprachen sprechen? Was ist überhaupt ein Wunderkind?“ und schließlich „Was sind meine eigenen Talente und Begabungen?“

Neben biographischen Fakten ging es in der Ausstellung auch um die Alltagsgeschichte des 18. Jahrhunderts. Der Unterschied von einst und jetzt wurde lebensnah in verschiedenen Bereichen dargestellt: Reisen, Kleidung und Schönheitsideale, Spiele, Hygiene und Medizin, Ästhetik, Rollenbilder und Gefühle.

Wie anstrengend das Reisen damals war, erfuhren die Kinder an einer Kutsche, die sie selbst mit Fahrrädern betreiben konnten und die über eine Walze holperte, die die Schotterwege des 18. Jahrhunderts simulierte. Drei bis vier Tage dauerte die Reise von Salzburg nach Wien! Heute sind es mit dem Zug oder dem Auto drei bis vier Stunden. Und Mozart legte noch viel weitere Strecken zurück.

Übernachtet wurde in einfachen Wirtshäusern auf unbequemen Strohsäcken, meist mit Ungeziefer. In der Gaststätte „Zum goldenen Karpfen“ entdeckten die Kinder, was man damals gegessen hat, wie oft man sich wusch und wie die Toiletten aussahen. Das Thema Krankheiten und Medizin wurde anhand einer Apotheke und eines Barbierladens dargestellt. Mozart war ein zartes Kind, höchst empfindlich und anfällig für Krankheiten. Die enormen Reisestrapazen schwächten seinen Körper noch zusätzlich.

Wirksame Medikamente waren damals noch kaum vorhanden, man behandelte mit Kräutertees, Salben, Aderlass, Blutegeln, Schröpfköpfen und absonderlichen Pulvern. Das Schwarzpulver, ein damals gängiges Medikament, das auch die Mozarts in ihrer Haus- und Reiseapotheke hatten, wurde aus verschiedenen Mineralien, Kräutern und tierischen Stoffen hergestellt, in manchen Rezepten ist sogar Froschherzen und Regenwürmer die Rede.

In der Apotheke konnten die Kinder selbst Kräutertees zusammenmischen und Zahnpulver herstellen. Im Barbierladen erfuhren sie, dass die medizinischen Behandlungen damals nicht von Ärzten, sondern von Badern und Barbieren durchgeführt wurden. Zu dieser Zeit fanden aber auch schon moderne Methoden und Instrumente, wie die Perkussion (Abhorchen und Abhören der Brust), das Mikroskop oder das Fieberthermometer Eingang in die Medizin.

Der Arbeitsplatz des Wunderkinds waren die Fürstenhöfe. Seine Auftritte führten ihn in eine Welt von Lustern, Spiegeln, prunkvollen Kostümen, Puder, Perücken, Schminke und Parfum. In der Ausstellung befand sich ein „adeliger Salon“, der diese illustre Welt des Rokoko mit seinen Gesellschaften, Tänzen, Spielen und Ritualen präsentierte.

Das ausgeprägte Schönheitsideal und die Körperkultur der adligen Gesellschaft nahmen oft groteske und für Kinder besonders lustige Formen an: Pasten aus Schweinefett, Schönheitspflästerchen in Form von Herzen, Monden und Sternen, Perücken, die so hoch waren, dass sie nur von einer Leiter aus frisiert werden konnten oder solche, die mit Kunstblumen, Obst, Gewächsen und sogar Vogelnestern verziert waren.

In einem Boudoir wurde den Kindern ein Eindruck von dieser extravaganten Mode vermittelt und sie konnten selbst mit Schminke und Puder experimentieren. Mode zu tragen war allerdings nicht allen gestattet, denn zu Mozarts Zeit war die Gesellschaft nach Ständen geordnet. Nur die Aristokraten waren die eigentlich freien Menschen – Bürger, Handwerker, Bauern hatten große Beschränkungen und auch Unterdrückung zu erdulden.

Die Adeligen konnten durchaus mit Willkür über das Leben ihrer Untertanen verfügen. Vater Leopold Mozart und Sohn Wolfgang Amadé waren als nicht-aristokratische Musiker und Komponisten bürgerlicher Herkunft in ihrer künstlerischen Arbeit bei Hof Teil der Inszenierung des Alltaglebens der Adeligen, wie letztlich Köche, Diener und Kutscher auch. Der freiheitsliebende Wolfgang Amadé nahm diese Ungleichheit unter den Menschen mit Empörung wahr, wusste er doch, dass er mit seinem Talent und Genius jedem Fürsten ebenbürtig war.

Die reiche Briefkultur der Familie Mozart / Eilimaf Trazom, das Spiel mit Worten, Geheim- und Spiegelschriften wurden den Kindern vorgeführt und luden zur Nachahmung ein. Spiele hatten einen besonderen Stellenwert in der Gesellschaft des Rokoko, und zwar in allen Ständen. Mozart liebte das Bölzlschießen, das Kegelspiel, Billard, Karten- und Glücksspiele. Seine Lieblingsspiele aber waren das Musizieren und Komponieren.

Von Mozarts Musik wurden in der Ausstellung vor allem seine Kindheitskompositionen präsentiert. Die Kinder konnten in einem großen Himmelbett liegen und in sie hineinhorchen. Im Musikstudio standen Instrumente bereit, um sie ausprobieren zu können. An Computerterminals zerlegten sie Mozarts Musik, setzten die Sequenzen neu zusammen und kreierten so selbst kleine Stücke.


KuratorInnen: Herbert Lachmayer, Elisabeth Menasse-Wiesbauer, Katharina Oder
Produktionsleitung: Birgit Androschin
Assistenz: Christina Schmücker
Ausstellungsarchitektur: donmartin supersets – Renate Martin und Andreas Donhauser
Ausstellungsgrafik: Barbara Mungenast, Bernhard Winkler

Mit Beiträgen von: Otto Brusatti, Daniel Dobler, Eva Ebetsberger-Dachs, Tina Handl, Tadeusz Krzeszowiak, Michael Lisner, Barbara Mungenast, Ulli Nöbauer, Johannes Resch, Jakob Scheid, Andrea Schurian, Raja Schwahn-Reichmann, Philipp Stampfl, Andrea Straßberger, Jasmin Trabichler

© Fotos: Sabine Jelinek, Lukas Schaller, Alexandra Eizinger, Cathrine Stukhard, Matthias Wölfle, Atelier Druckwerke, Zoom Kindermuseum