Einblick in die Ausstellung – Basteihalle im Souterrain, Architektur: KMT / n-o-m-a-d. Rechts der rote plissierte Seidenfrack von Roberto Capucci als Leitemblem der Ausstellung.

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Eine tour d’horizon durch die geheime Welt der Freimaurer.

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Der Aufgang in die Prunkräume. Rechts eine Robe von Azzedine Alaïa.

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MOZART. Experiment Aufklärung –
im Wien des ausgehenden 18. Jahrhunderts

vom 17. März bis 20. September 2006
Albertina

Ein mehrdimensionaler Denkraum zum Mozart-Jahr 2006 in Wien –
eine Wissensoper für Mozart
In Kooperation mit dem WIENER MOZARTJAHR 2006

Die offizielle Ausstellung der Stadt Wien zum Mozart-Jahr 2006 zeigte Leben und Werk des Komponisten im Kontext seiner gesellschaftlichen Einbindung: Sie vermittelte nicht nur ein Bild der höfisch-aristokratischen Gesellschaft – anhand Mozarts Reisen durch ganz Europa –, sondern auch die Dynamik der Zukunftspotenziale dieser Zeit und ließ die Aktualität der Epoche für uns heute aufblitzen – Eclaircissement.
Die Albertina zierte ein Teppich von Franz West, Klaus Pinters raumfüllende, transparente Montgolfieren-Installation „Eroberung der Luft“ empfing die Besucher und Besucherinnen. Kunst von Valie Export, Günter Brus, Gelitin, Deutschbauer/Spring und dem Atelier West traten in Kontrast zur Kunst der Mozartzeit und des Rokoko, ergänzt durch Haute Couture von heute, Re-inventing Rokoko 2006 – ein unerwartetes Mozartbild.
In den 1780er Jahren entfaltete sich der Genius Mozart in Wien. Seine intensivste Schaffensperiode – Jahre großer Erfolge, ein erstaunlicher Wohlstand, aber auch Nöte, Konsequenz der Risikofreudigkeit – fand im rasanten Reformklima des Josephinismus statt.
Diese weltoffene, aufgeklärte Gesellschaft war von den Idealen der Freimaurerei geprägt. Eine große Anzahl an Objekten aus Beständen der Albertina unterstrich ihre weltweite Bedeutung als richtungweisende Sammlung des Freimaurers Herzog Albert von Sachsen-Teschen. Es war eine Zeit der vernetzten Supranationalität Europas, schnelllebig, experimentell, innovativ, ein Début des Siècles, bevor die pragmatische Rationalität im 19. Jahrhundert als Realitätsprinzip triumphierte.

Mozart als exemplarische Künstlerfigur
Mozart als Compositeur und Virtuose entspricht in mehrfacher Hinsicht den hohen künstlerischen Ansprüchen, die man an Fürstenhöfen Künstlern gegenüber hatte. Die gesellschaftliche Inszenierung eines absolutistischen Hofes brauchte Musiker, Librettisten und Sänger, um in der Oper, dem Medium der Zeit par excellence, eine höchst raffinierte Spiegelung ihrer eigenen Inszenierung wiederfinden zu können. Compositeur und Librettist waren Illusionierungs- und Reflexionsspezialisten, um der fürstlichen Klientel die Dramatisierung ihrer Gefühlswelten, die Modulation der Affekte so vorzuführen, dass ein ironischer Hauch von Selbstkritik sich mit einem mitunter burlesken Unterhaltungswert verband, der in dieser Gesellschaft der Galanterie auch goutiert wurde.
Wenn etwa einmal im Jahr Maria Theresia und ihr Mann Franz Stephan als Wirtin und Wirt des Gasthauses zum Schwarzen Adler auftraten, um den restlichen Hochadel zu bedienen, zeigt dies jenen den Opern immanenten Kern der Gesellschaft.
Mozart war nie ein romantisches Genie, das in Leidensversenkung künstlerische Wahrhaftigkeit aus sich herausdestillierte – wenn er einen Auftrag erhielt kamen auch die Ideen. Er war ein ausgezeichneter Tänzer und beherrschte alle galanten Umgangsformen perfekt, sodass sich darüber hinaus die Frage nach einer unverwechselbaren Persönlichkeit des Genius gar nicht stellen mochte. Karrierekalkül und künstlerische Produktivitätsstrategie waren verflochten und definierbarer Teil der Gesamtinszenierung höfischen Lebens.
Mozart hat den Hof bestens bedient – er hat (fast wie ein „lieber Gott“) Individualitäten erfunden, die es vorher noch nicht gab. Und diese haben seither weder die Bühnen der Opern dieser Welt noch unsere eigenen „psychischen“ Bühnen wieder verlassen.

Kulturgeschichtliches Panorama
In der Zeit Josephs II. gilt Wien – Mittelpunkt des europäischen Musiklebens – als ein Zentrum einer beschleunigten, wenn auch späten Aufklärung, die hier eine kurze aber umso intensivere Blüte erlebt. Von sozialen Reformen schon unter Maria Theresia, der ersten Wiener Medizinischen Schule, bis hin zu den Logen der Freimaurer als einem Ort standesfreier Begegnung des Hochadels mit aufgeklärten Bürgern, Künstlern und Wissenschaftern, entfaltet sich ein vielfältiges Geistes- und Gesellschaftsleben.
In spielerischer Begeisterung fürs Experimentelle auch mit Lust und Moral, hat sich die Schnelllebigkeit dieser Konversationsgesellschaft, in der man eine vielseitige Bildung mit Sprachkenntnissen verbinden musste, in einer innovativen Beschleunigung gleichsam stabilisiert – Stillstand war Absturz. Dazu gehörte selbstverständlich die Obsession des Spielens, da in der ständigen Risikobereitschaft, einer allgegenwärtigen Verwegenheit, Fürst und Künstler sich in gegenseitiger Akzeptanz begegnen konnten – exzeptioneller künstlerischer Geist war im Zusammentreffen mit personifizierter Macht des absolutistischen Adels mehr als eine Unterhaltungskompetenz; Kunst hatte ihren Platz im Realitätsprinzip.
Dem genius loci Wiens folgend entstand eine brillante Mischung aus ambivalentem Witz, Esprit, bissiger Intrige, dem Hang zu ironisierender Empfindsamkeit und nuancenreicher Melancholie – auch im Naturerleben. Als besonderes Schaustück der Ausstellung war die Rekonstruktion des freimaurischen Gartens in Schönau (NÖ) als virtuelle Animation zu „begehen“.
In stupender Lebensgeschwindigkeit und enger europäischer Vernetzung von Diplomatie, Wissenschaft, Ökonomie etc. und Kunst zeigte sich Wien – in all seinen Ambiguitäten und Paradoxien – im Widerspruch von fortschrittlicher Gesinnung und Toleranz versus Perfidie und autoritärem Absolutismus. Selbst die „beschleunigte Aufklärung“ kam von oben. Dies provozierte in Kirche, Adel und Volk auch den sprichwörtlich beharrlichen Traditionalismus Wiens. Dennoch – gerade dieser beharrliche Konservativismus war mitunter der ideale Nährboden für subversiven Freigeist. Auf diesem entzündete sich eine gewissermaßen „produktiv gewendete Dekadenz“, die auch gesellschaftliche Hierarchien mit pointiertem Individualismus zu durchbrechen vermochte.

Die Ausstellung
Die Eintretenden befanden sich auf dem „Teppich“ von Franz West, vorbei an Mozart-Klischees und Andenken empfing der Innenhof mit einer pneumatischen Installation von Klaus Pinter: eine raumgreifende, transluzide Montgolfiere schwebte über den Besuchern – Sinnbild für visionäres Abheben und entschwebende Melancholie als Stimmungen des ausgehenden 18. Jahrhunderts.
Der klassizistische Säulengang, mit Haute Couture der Gegenwart überhöht (Re-invented Rococo 2006), verband das Entrée und die drei Ausstellungsbereiche mit den klassizistischen Prunkräumen.
Der größte der Ausstellungsräume, die Basteihalle im Souterrain, eröffnete den Blick auf das urbane Europa des reisenden Mozart sowie auf Wien, seiner Wirkungsstätte der 1780er-Jahre, dem Ort seiner größten Erfolge und wichtigsten Produktion.
Man erlebte thematisch die Karrierestrategie des Wunderkinds über seine Entwicklung vom jungen „Compositeur“ bis zum entfalteten Genius der Wiener Zeit.
Die gesellschaftlichen Umgebungen Mozarts wurden exemplarisch vorgeführt: mit hochkarätigen Objekten, wichtigsten Autographen aber auch Möblage, Porzellan und Silber und Kronleuchtern (der Großteil davon wurde von der Wiener Traditionsfirma Lobmeyr zur Verfügung gestellt). Zwanzig Monitore (Samsung Electronic Austria) gaben mit inszenierten Bildfolgen der gestalteten Architektur einen medialen Background. Sie vermittelten Kommentare, Assoziationen und Illusionen aber auch zeitgenössische Kunst, wodurch die Fülle der Objekte zeitgemäß kontextualisiert werden konnte. Über den Audioguide waren rund 70 Musikbeispiele, jeweils passend zu den Objekten, abzurufen. Ebenso wurden die in der Ausstellung präsentierten Originalbriefe aus der Hand Mozarts, seines Vaters, seiner Familie und Freunde, vorgelesen.
In der Pfeilerhalle überraschten zwei Roben von Azzedine Alaïa, die als symbolische Repräsentanz der Königin der Nacht in die Opernwelt der Zauberflöte, auch über die zutreffenden Musikzitate, einführten.
Eine tour d’horizon durch die geheime Welt der Freimaurer leitete über zur Rekonstruktion der wichtigsten, zur Erlangung des Meistergrads notwenigen Ritualschritte, – entnommen der Zauberflöte als Grundlage. Das Konzept dazu verdankte sich den Forschungen des renommierten Ägyptologen und Kulturwissenschafters Jan Assmann.
Im anschließenden Studio wurden den Besucherinnen und Besuchern die wichtigsten Sammlungen der damaligen Zeit vorgeführt – die graphische Sammlung des Begründers der Albertina, Herzog Albert von Sachsen-Teschen, die Sammlung der medizinischen Wachspräparate von Joseph II. angeordnet und die Kollektionen des Franz Stephan von Lothringen, dem früh verstorbenen Mann von Maria Theresia. Sammlungen anzulegen war damals Teil eines sich wissenschaftlich positionierenden Rationalismus – die Sammlungsstrategien heute zu rekonstruieren ist in der Zeit der Informationsgesellschaft ein wichtiger Beitrag zur Erkenntnisgeschichte der Genese wissenschaftlicher Systematik. Abgerundet wurde diese „Sammlungsgeschichte“ mit einer schaurig schönen Rekonstruktion des „Laudon-Grabs“, einer spektakulären Schaustellung des Grafen Deyms am Kohlmarkt – es erklingt die Totenmusik Mozarts, komponiert für einen Automaten.
In Teilen der historischen Räume kontrastierten extreme Rokokomoden von heute, John Galliano (Dior), Azzedine Alaïa und Roberto Capucci, mit der prachtvollen Ausstattung der restaurierten Prunkräume, im ehemaligen Schlafzimmer der Erzherzöge lud eine virtuelle Rekonstruktion des Freimaurergartens von Schönau (NÖ) zum Kontemplieren ein – man hörte die bekanntesten Meisterwerke Mozarts, man lag auf Chaiselongues von Franz West.

Zeitgenössische Kunst und Haute Couture
Re-inventing Rokoko 2006 – mit dieser Grundidee wurde die Absicht verfolgt, eine der vielschichtigsten Bewusstseins- und Luxusexplosionen der Neuzeit zu rehabilitieren, die seit dem 19. Jahrhundert immer wieder in einem kulturellen Abseits stehen. Der Rokoko-Salon war für die Aufklärung der relevante Ort der Konversation. Er war eine Stätte, wo sich die Inszenierung der Lust am Denken mit Spiel, Musik, dem Tafeln und mit Erotik verband. Leitdifferenzen der Ausstellung waren die Kontraste Rokoko versus Klassizismus, experimentelle Aufklärung, radikaler Esprit, rebellisches Eclaircissement, Spontanität versus Vernunft-Ordnung.
Aus diesem Grund wurde die ganze Ausstellung von einem Rokoko-inspirierten Teppich von Franz West zu einer Art „Einheit“ zusammengefasst, der die Leichtigkeit und ambigue Ironie von Mozarts Lebensgefühl mit dem Hang der heutigen Gesellschaft zu unerlaubter Verschwendung und Lustdivertissement in Zusammenhang bringen sollte. Franz West nahm die Elemente Rocaille, bestehend aus einem Morgenrockgürtel mit Quasten, Mozarts Ohren und die zu seiner Zeit so beliebte Quittenfrucht auf. Die „Nannerln“, Chaiselongues mit dem Stoff des Teppichs bezogen, zeigten sowohl Rokoko-Schwung in Liegeform oder klassizistischen Formalernst.
Klaus Pinter imponierte mit seiner raumgreifenden pneumatischen Installation „La conquête de l’air“ („Die Eroberung der Luft“). Der Künstler hatte diese Arbeit speziell für die Mozart-Ausstellung entwickelt – sozusagen als ein Leit-Emblem – die Montgolfière. Sie schwebte über den Köpfen der Besucher im Eingangsbereich der Albertina. Ein allgegenwärtiges Thema: Metapher für das Schwebende, das Visionäre, ebenso wie für den Fortschritt der Technik und Naturbeherrschung.
Eva Koethen’s Photoarbeit lag zwar auf dem Boden, war aber doch kein Teppich. Um dem barocken Wien kontextbildend Referenz zu erweisen, hatte die Künstlerin ihre Erinnerungsarbeit am kulturellen Gedächtnis zu einer zweidimensionalen Photocollage verarbeitet. Mit hermeneutischer Sensibilität den Fuß in sie hineingesetzt, war zu spüren, dass selbiger gleichsam aus einer „ikonographischen Pfütze“ wieder herausgezogen werden musste, um einen weiteren Schritt zu wagen.
Bei Günther Brus gab die Botschaft „Aktiv Dekadent“ den Initialanstoß für sein Kunstwerk. Tamuna Sirbiladze ließ sich von Pathosformeln exzessiver Gebärdensprache wilder Rokoko-Amazonen inspirieren. Der Wiener Künstler Rudolf Polanszky war hingegen von Da Pontes Textbuch „L’ape musicale“ beeindruckt – bei ihm wurde die Biene zum Affen, the ape. Bei Valie Export und Ingeborg Hausmann war es Mozarts Spielbesessenheit, die schon der Fassadengestaltung des Theaters an der Wien den Thementitel „Anagrammatische Komposition mit Würfelspiel" gab.
Die Provokationsästhetik der Gruppe Gelitin zeigte mit ihrem Lampenblütenstrauß ein schräges Rokoko mit allem Raffinement von trash. Deutschbauer/Spring erfrischten mit Performance-Esprit – die Flirtmaschine Don Juan (Don Schuan) setzte mit dem knappen Charme von Schnell-Interviews auf ein Rokoko verführbarer Phantasie.
In den geschliffenen Spiegeln, Kristallen und Lustern der Zeit funkelte facettenreich das Licht – in seiner Vielfärbigkeit und Brechung war es Metapher für Raffinement, Esprit, Geistesgegenwärtigkeit und einem intelligenten Geschmack. In einer Ökonomie des Luxus ist diese Geschmacksintelligenz immer auch eine Herausforderung für den „nützlichen Verstand“, der sich an ästhetischer Vollkommenheit immer neu schärfen kann. So wurde sehr bewusst die Kooperation mit dem Wiener Luster- und Glashersteller Lobmeyr eingegangen, dessen Kronleuchter, Appliquen und Glasschliff Kulturgeschichte geschrieben haben – seit der josephinischen Zeit, über die Entwürfe von Oswald Haerdtl bis hin zu „Exploding Stars“, der als „Crystal of the Met Opera“ zur Ikone geworden ist.
Exquisite Roben der Haute Couture aus Paris und Rom vergegenwärtigten den Esprit des Rokoko und den ästhetischen Geist der Mozartzeit in prominenter Weise. Der rote plissierte Seidenfrack von Roberto Capucci war Plakatsujet und ein weiteres Leitemblem der Ausstellung.
Mozart war nicht fassbar, wenn man die Basteihalle betrat. Ein schwarzer Frack mit eingesetztem ganzen Lederrücken eines Krokodils und ein schweres Kleid des Modekünstlers Azzedine Alaïa symbolisierten die Königin der Nacht in ihren ambivalenten Aspekten von Gut und Böse – durch die Präsenz der Roben war die sternflammende Königin nicht fern. Vor allem die Met-Luster brachten die Sterne der Königin der Nacht näher. Enorme Prachtentfaltung zeigte John Galliano mit zwei Roben in einem der historischen Prunkräume – dem Teesalon.
Darüber hinaus gab es weitere Medienprojekte – zwei virtuelle Rekonstruktionen des „Historischen Gartens von Schönau“ und des „Laudon-Grabes“ des Grafen Deym, bereicherten die Erlebbarkeit der Zeit – eine 3D-Visualisierung von Virtual Dynamix, der Kunst- und Kulturwissenschafter Geza Hajós stellte seine gartenhistorischen Erkenntnisse zur Verfügung. Der Fülle der Ausstellungsobjekte wurde ein semantisch begriffliches wie assoziatives Wissensnetz auf Bildschirmen zur Seite gestellt. Dieses Wissens-Netzwerk „semantischer Felder“ entstand in Kooperation mit der Firma UMA. Nicht nur übliche Beitexte wurden auf den etwa 20 Samsung-Monitoren geboten, sondern auch Bildfolgen, die die Interpretationsphantasie des Publikums anregen sollten.
Oliver Lasch bearbeitete ein für die Ausstellung emblematisches Bild: das Fresko „L’altalena dei Pulcinella“, „Pulcinellen seiltanzend“ von Gian Domenico Tiepolo im Palazzo Ca’ Rezzonico, Venedig. Dieses Sujet steht für das dekadent inspirierte Lebensgefühl des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Die zauberische Aktualität dieses Freskos erzeugte Oliver Lasch unter Mitarbeit von Dieter Hochhauser und Elisabeth Schedlbauer.
Reinhard Bernsteiners Installation brachte den Besucherinnen und Besuchern das Zahnproblem des großen Verführers Lorenzo Da Ponte näher, der darunter litt, dass ihm schon in vergleichsweise jungen Jahren Zähne im Vordergebiss fehlten. Die Rocaille aus der Zahnpastatube war Herstellungsprinzip der Kugellampenschirme von Heiri Häfliger, die subversive Energie aufblitzen ließen. Nikolaus Harnoncourts treffende Bemerkung angesichts des fast schon 6-jährigen Wunderkindes Mozart: „dann saßen die Eltern vor einem Krokodil“, hatte der Künstler Anton Herzl in Bild und Installation wörtlich genommen: ein Konterfei und ein präpariertes Krokodil mit Perücke. Benedetta Jacovoni’s Betonpflanzenblätter waren zwar individuelle Einzelteile, das verwendete Material ließ aber auch an Fertigteilproduktion denken. Julie Ryan ließ mit ihrer martialischen Keramik der Formensprache freien Lauf.

Architektur
Dem Konzept des Kurators, diese Mozart-Ausstellung als inszenierten Wissensraum (Staging Knowledge) anzulegen, folgte das Architektenteam KMT / n-o-m-a-d mit einem dynamischen System von Vitrinenelementen sensibel – ging es doch bei dieser „Wissensoper für Mozart“ um die Herausforderung eines intelligenten Geschmacks, eine in der Zeit Mozarts selbstverständliche Imaginationsfähigkeit, Erkenntnis, Empfindsamkeit und Affekt konstruktiv zu verbinden. Der Spagat der Themenstellung bestand wohl darin, die wieder zu einer großen Halle gewordene „Bastei", über den oberen Eingangsbereich mit den Prunkräumen, Ausstellungsstück per se, konzeptuell zu verbinden.
KTM / n-o-m-a-d (Network of Multimedia, Architecture and Design) ist ein globales Netzwerk mit Verzweigungen in Wien, London, Edinburgh, Graz und Baltimore (USA), das im April 2000 als interdisziplinäre Plattform zur Diskussion von gesellschaftlichen Tendenzen und deren Übersetzung in (gebaute) Umwelt gegründet wurde. Das Netzwerk besteht aus Architekten, Urbanisten, Soziologen, Landschaftsarchitekten, Mediendesignern und Ökologen, das sich projektbezogen und je nach Aufgabenstellung und Herausforderungen mit den notwendigen Ressourcen verknüpft.
Das Team kann auf eine reiche Ausbildung und Erfahrung in österreichischen und internationalen Institutionen sowie in internationalen Büros verweisen. Dies inkludiert das Leiten von multiplen Wohnbauprojekten wie der Spittelauer Lände für Zaha Hadid in Wien, Kulturbauten in Porto für Rem Koolhaas / OMA, als auch ausgezeichnete städtebauliche und öffentliche Projekte in Singapur, Spanien, Österreich und den USA.

Erstmalig wurde das Filmmuseum in eine laufende Ausstellung mit direktem Zugang nur für die Besucherinnen und Besucher so mit einbezogen, dass Filme, die das Lebensgefühl der europäischen Mozartzeit zum Thema haben (Dangerous Liaisons, Berry Lyndon, Casanova etc.), zu sehen waren.

Publikationen zu MOZART. Experiment Aufklärung
Neben einem Ausstellungskatalog erschien ein umfangreicher wissenschaftlicher Essayband, der die vielfältige Thematik der Ausstellung – aus der Sicht unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen und Ansätze – entfaltet. Darunter Beiträge der Musik- und Theaterwissenschafter Richard Ambruster, Rudolph Angermüller, Gernot Gruber, Wolfgang Greisenegger, Literaturwissenschafter wie Dieter Borchmeyer, Sylvia Carandini, Friedrich Dieckmann, Historiker wie Jan Assmann, Eric Brian, Michel Delon, Ernst Osterkamp, Helmut Reinalter, Kulturphilosophen wie Thomas Macho, Wolfgang Pircher und Slavoj Zizek und viele andere.

Ausstellungskatalog
416 Seiten
205 Abbildungen, 176 farbig
ISBN-13: 978-3-7757-1668-0

Essayband
888 Seiten
138 Abbildungen, s/w
ISBN-13: 978-3-7757-1689-5

Herausgeber: Herbert Lachmayer
Beide Publikationen sind im Hatje Cantz Verlag erschienen.


Idee, Konzept und Kurator: Herbert Lachmayer
Co-Kuratoren: Rosemarie Burgstaller, Reinhard Eisendle, Maren Gröning
Katalogredaktion: Margarete Heck, Andrea Traxler
Wissenschaftliche Mitarbeit: Rudolph Angermüller, Jan Nepomuk Assmann, Herbert Asenbaum, Paul Asenbaum, Ilsebill Barta, Günther Georg Bauer, Christian Benedik, Hans Belting, Peter Blaha, Walther Brauneis, Horst Bredekamp, Eric Brian, Helena Brozková, Otto Brusatti, Jacqueline Burckhardt, Stefano Cavallerin, Michel Delon, Marika Demner, Marie-Agnes Dittrich, Mladen Dolar, Helga Dostal, Peter Dusek, Florian Ebeling, Brigitte Felderer, Nora Fischer, Gernot Friedel, Ursula Pia Jauch, Hans-Joachim Jürgens, Marketa Kabelková, Rainald Franz, Laszlo Glozer, Wolfgang Greisenegger, Gernot Gruber, Hans Grünberger, Theresa Haigermoser, Geza Hajós, Michael Hampe, Klaus Heinrich, Richard Heinrich, Claudia Honegger, Teresa Hrdlicka, Michael Hüttler, Hans Joachim-Jürgens, Reinhard Kapp, Eva Koethen, Hans Lange, Thomas Leibnitz, Silke Leopold, Eric Levi, Micaela von Marcard, Thomas Macho, Maria Majno, Rainer Metzger, Eleonora Louis, Sylvia Mattl-Wurm, Ivan Nagel, Caroline Neubaur, Elena Ostleitner, Ulrich Oevermann, Eva Paulová, Wolfgang Pircher, Ursula Quecke, Helmut Reinalter, Henning Ritter, Hermann Schlösser, Dörte Schmidt, Roland Schöny, Manfred Siems, Ernst Strouhal, Werner Telesko, Andrea Traxler, Eva Uchalová, Angela Völker, Christoph Wagner-Trenkwitz, H. E. Weidinger, Sigrid Weigel, Reingard Witzmann, Christian Witt-Dörring, Rüdiger Wolf

Kommissäre: Jan Assmann / Florian Ebeling, Christian Benedik, Otto Brusatti, Manuel Chemineau, Brigitte Felderer, Nora Fischer, Gernot Friedel, Gernot Gruber, Theresa Haigermoser, Teresa Hrdlicka, Hans Lange, Wolfgang Pircher, Ursula Quecke, Werner Telesko, Christian Witt-Dörring

Wissenschaftliche Recherche: Nora Fischer, Teresa Hrdlicka, Elisabeth Kamenicek, Michael Krebs, Johannes Schweitzer, Salvadore Del Gaudio, Manuel Chemineau

Ausstellungsarchitektur:
KTM / n-o-m-a-d (network of multimedia, architecture and design)
Gunther Koppelhuber, Peter Müller, Kim Thornton

Produktion: Da Ponte Institut für Librettologie, Don Juan Forschung und Sammlungsgeschichte in Zusammenarbeit mit der Albertina
Generalsekretariat: Theresa Haigermoser
Ausstellungsbüro: Irene Kari
Ausstellungsmanagement: Margarete Heck
Sponsoring, Communication: Marlene Ropac
Assistenz: Maria Aulitzky, Sophie Bartholomey, Nicola Hirmer, Deobrah Jassey, Sabine Jelinek, Julie Klein, Victoria Marek, Claudio Montini, Katharina Sacken, Alexandra Salinacki, Jenny Wolka

Technische Gesamtkoordination: Philipp Krummel, Harald Trapp, Christoph Falkner
Ausstellungsgraphik: Dieter Auracher
Architektonische Umsetzung und Vitrinenbau: Tischlerei Walder
Aufbauteam: Artex
Lichttechnik: Lukas Kaltenbäck, Zumtobel
Toninstallationen: Wolfgang Dorninger
Teppich: Entwurf: Franz West, Digitale Bearbeitung: Edith Bergmann, Herstellung: Vorwerk (Hameln), Verlegung: Nfg. Katharina Kuspis
Restauratoren: Karin Bovagnet, Pia Fischer, Jan Makovec, Birgit Proll, Hilde Seidl, Hannah Singer, Elisabeth Thobois, Roswita Zobl
Rahmung: Ulrike Ertl, Gerhard Forster, Andreas Gruber
Installation: Albert Christa, Christian Pußwald, Marika Rakoczy, Andreas Schweger
Transport: hs art service austria, Kunsttrans Wien, Artex
Audioguide: C & M Kulturmanagement (Johann Hoffmann)
Photographie: Jörg Auzinger


Ergänzende Projekte

Neben der Ausstellung in der Albertina wirkte das Da Ponte Institut an zwei weiteren Ausstellungen mit, die sich direkt oder indirekt mit dem Thema Mozart auseinandersetzen.

Gemeinsam mit dem ZOOM Kindermuseum wurde die Ausstellung „Wolfgang Amadé – ein ganz normales Wunderkind“ entwickelt:
(5. April bis 3. September 2006, ZOOM Kindermuseum,
Kuratoren: Herbert Lachmayer, Elisabeth Menasse-Wiesbauer, Katharina Oder)
Mit dem Jüdischen Museum Wien wurde eine Ausstellung über „Mozarts Dichter“ vorbereitet:

Lorenzo da Ponte – Aufbruch in die neue Welt
(22. März bis 17. September 2006, Jüdischen Museum Wien, Kuratoren: Werner Hanak, Reinhard Eisendle, Herbert Lachmayer)

© Fotos: Sabine Jelinek, Michael Nagl, Lukas Schaller, Gerald Zugmann