Das Gentz-Stiegenhaus im Stadtschloss Weimar während der Ausstellung „Wozu braucht Carl August einen Goethe?“ mit einem Teppich von Roy Lichtenstein

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Falkensaal des Stadtschlosses während der Ausstellung „Wozu braucht Carl August einen Goethe? Fürstliche Sehnsucht nach Individualismus“

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Die Ausstellung in den fürstlichen Privaträumen des Stadtschlosses Weimar. Rechts: Büsten der Großherzoginnen von Sachsein-Weimar-Eisenach Maria Pawlowna und Sophie, sowie Augusta von SWE, deutsche Kaiserin. Tapete von West / Polanszky / Priessnitz

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Wozu braucht Carl August einen Goethe?
Fürstliche Sehnsucht nach Individualismus

vom 24. August bis 2. November 2008
Stadtschloss Weimar
 
Eine Ausstellung in Kooperation mit der Klassik Stiftung Weimar
und als Partner dem Da Ponte Institut

Die Blickrichtung ist vertraut: Der Geheimrat, Minister und Dichterfürst Goethe agiert in Weimar, zufällige Begegnungen werden zu kulturellen Zäsuren europäischer Geistesgeschichte – und Carl August ist auch noch da. Dies mag „Ereignis Weimar“ sein. Vor dem Horizont des Hofes eines Duodezfürsten tut sich ein kulturgeschichtlicher Kosmos auf, wo sich im Grunde fast alles wiederfinden lässt, was für das spätere „gehobene Bildungsbürgertum“ wirkungsgeschichtlich Ursprung und Nukleus gewesen war.

In der Mentalitätsgeschichte der Wahrnehmung Weimars und seiner Poeten, Maler und Künstler steht das Zentrum fest, es trägt Namen wie Wieland, Herder, Goethe und Schiller – und auch der Fürst kreist satellitenartig drum herum, ist unverzichtbares Möbel des gesamten „Salon Klassik“, Amalien auch, die Mutter.

In unserer Ausstellung „Fürstliche Sehnsucht nach Individualismus“ ist vieles plötzlich anders: Da stehen die Duodezfürstlichkeiten unverrückbar im Zentrum der Realität (buchstäblich der historischen), sind zugleich Blick auf diese, wie aus ihr heraus – die Metapher vom „Polarstern vor der Milchstraße“ passt diesmal und hinkt nicht. Alles ist auf diesen focus imaginarius (geheimer Brennpunkt) bezogen, es geht um die Fürstlichkeit als je und je personifizierter Mittelpunkt eines absolutistischen Kleinkosmos – „Duodezfürst’n hålt“.

Mitnichten ist dies Gag, Aberwitz oder schlampiger Umgang mit historisch Unverrückbarem: Nein, wir wollen Weimar als eines der deutschen Duodezfürstentümer begreifen lernen, in welchem die Fürstlichkeiten immer auch ein Problem hatten – nämlich den „Duodezfürstenkomplex“. Wenn es damals schon ein therapierbares „Ich“ gegeben hätte, wäre ein Begriff wie „Minderwertigkeitskomplex“ statthaft gewesen – was er natürlich nicht war, weil die sozialpsychologischen Voraussetzungen fehlten. Das Phänomen ist im Grunde trivial: Dynastisch mit Wien, Berlin, Schweden etc. unauflöslich verbunden, war es diesen Duodezfürstentümern eigen, meist nur „politische Zwischenländer“ zu sein, die auf vieles und viele Rücksicht nehmen mussten.

Zwar war es die Zeit des Absolutismus, nur die Realitätsgröße der jeweiligen „Absolutheit“ als politische Macht und soziokulturelle Einflusssphäre auf das restliche Europa war beschränkt, definiert eben und besaß somit eine greifbare Endlichkeit. Musste sich doch die Herzogin Amalia mit dem Preußenkönig herumschlagen, weil es bei der österreichischen Verwandtschaft in Wien schon längst brodelte, musste man doch schiefe, fast faule Kompromisse eingehen, um sich den mächtigen Reichsinteressen anzupassen, wenn nicht gar zu beugen.

Absolutismus war da als realgeschichtliche Größe eher „Phantasmagorie“ statt bodenständiges Weltherrschaftsdenken – dazu war man einfach zu klein. Eine Gegenweltkonstruktion lag nahe, bot sich an und stand auch immer ins Haus – Künste, Wissenschaften und Philosophie beispielsweise, und was sich daraus machen lässt, um auch an diesem „kleineren Hof“ eine Art absolutistisches Allmachts-Etikett anbringen zu können. Bestand doch diese andere „Mächtigkeit des Geistes“ aus ästhetischer Feinstofflichkeit, sie wurde auf anderen Instrumenten gespielt, als mit Kriegsgerät: Künstlerischer Olymp, Allmacht mit wirkungsgeschichtlicher Nachhaltigkeit, quot erat demonstrandum.

 

Kurator: Herbert Lachmayer
Co-Kuratoren: Gerhard Müller, Ulrike Alberti
Architektur: donmartin supersets – renate martin & andreas donhauser

 

Gefördert von

Beauftragten der deutschen Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages
Österreichisches Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur
Hypo-Kulturstiftung
Rudolf-August Oetker Stiftung
Ernst von Siemens Kunststiftung
ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius

mit freundlicher Unterstützung von

Vorwerk & Co. Teppichwerke GmbH & Co. KG
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ZKM Karlsruhe